logo
  • 0261 - 70 20 27-0
    • 16 SEP 19

    Interview mit Jürgen Neidhöfer im Winninger Uhlenspiegel

    „So lange wie möglich zu Hause bleiben“

    UPkleinfreiDie älteren Winninger werden sich noch an “Schwester Klara” erinnern. Die evangelische Diakonisse war bis 1972 die “Gemeindeschwester” und im Dorf unterwegs um Spritzen zu setzen, Alte zu pflegen, Verbände zu wechseln, Ansprechpartner in sorgenvoller Zeit zu sein. Die “Schwester Klara” von einst gibt es nicht mehr. Heute haben Pflegedienste ihre Arbeit übernommen. Winningen wird von etwa fünf Unternehmen angesteuert, die dafür sorgen, dass pflegebedürftige Menschen so lange wie möglich dort bleiben, wo sie am liebsten sind: Zuhause. Der UHLENSPIEGEL hat sich mit zwei Anbietern unterhalten, den Dienstleistern VitaMobil und Leiner. Jürgen Neidhöfer ist Chef des Pflegedienstes “VitaMobil”. Seit einigen Wochen gehört auch Winningen zu seinem Betreuungsgebiet.
    “Wir haben unser Einzugsgebiet auf bestimmte Stadtteile von Koblenz und Teile des Landkreises Mayen-Koblenz eingegrenzt. Das garantiert eine hohe Zuverlässigkeit in der Versorgung.”

     
    Mit rund 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gehört er zu den Großen im Gebiet und bietet dort die üblichen Pflege-Leistungen an. Zusätzlich unterhält seine Firma eine Wohngemeinschaft, in der eine kontinuierliche Überwachung der Lebensfunktionen benötigt werden. Das beinhaltet die außerklinische Intensivpflege und Heimbeatmung, etwa für Wachkoma-Patienten. Außerdem ist “VitaMobil“ Kooperationspartner des Koblenzer Hospizes und führt hier auch Bereitschaftsdienste durch. „Es gibt viele Situationen, in denen Menschen auf Unterstützung angewiesen sind. Der ambulante Dienst unterstützt Angehörige und natürlich die zu Pflegenden. Wir kümmern uns also, damit die Familie mit der Situation umgehen kann und der Betreute so lange es geht, in seiner gewohnten Umgebung leben kann. Der Pflegedienst bietet also leben und Sicherheit zu Hause.”

     
    Herr Neidhöfer, die menschliche Pflege ist ein ganz sensibles Thema. Das setzt Vertrauen in die Pflegerin oder den Pfleger voraus. Wie kann ich sicher sein, vom “richtigen” Dienst versorgt zu werden?
    Das ist eine wichtige Frage, weil die Pflegedienstleistungen, bis auf spezielle Angebote, bei allen Anbietern den gleichen Standard haben sollten. Pflege definiert sich nicht über den Preis.
    Wie unterscheiden Sie denn dann?
    Wir leben von der Empfehlung, von Qualität und Ruf unserer Dienstleistung. Offensichtlich machen wir da etwas richtig. Denn die Fluktuation bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist gering und das hat dann auch etwas mit der Wertschätzung der Arbeit zu tun. Oder anders: Wenn die Mitarbeiter sich wohl fühlen, merkt das auch der Patient.”
    Pflege kostet Geld. Wer übernimmt denn die Kosten für Ihre Leistungen?
    In der Regel tritt die Pflegeversicherung bei vorhandener Pflegestufe ein. Krankenpflegeleistungen werden von der Krankenkasse bei einer ärztlichen Verordnung übernommen.
    Pflege kann sehr unterschiedlich sein, wie sind die Abrechnuungsmodalitäten?
    Es gibt einen großen Leistungskatalog, der sich natürlich auch an den Bedürfnissen der individuellen Situation orientieren muss. Die Bürokratie ist notwendig, aber der Patient oder seine Familie sollen so wenig wie möglich damit zu tun haben. Deshalb helfen wir natürlich bei der Beantragung von Leistungen bei den unterschiedlichen Kostenträgern.
    Das klingt kompliziert?
    Ist es unter Umständen auch. Aber dafür sind wir ja da. Deshalb haben wir in einer Gemeinde einmal in der Woche eine Sprechstunde eingerichtet, in der sich auch Angehörige informieren können.
    Wie sehen Sie die Zukunft der Pflege?
    Die Gesellschaft wird immer älter. Das führt zwangsläufig zu mehr Pflege. Die Dienstleistungen, wie etwa die 24-Stunden Rufbereitschaft, der gute Kontakt zu den Ärzten und die fachliche Qualifikation sind das eine. Wir sind aber mehr: Wir
    sind die Gemeindeschwester von früher, die immer mehr war, als ein reiner Dienstleister in der medizinischen Versorgung.
    Klaus Lammai